Der Taxifahrer
Peter öffnete leicht die noch müden Augen und sah seine immer graue Wand, ohne entsprechende Lebensfreude zu entwickeln. Es war morgen, die Zeit in der Ruhe, Frieden, Ungewissheit in Bezug auf den folgenden Tag und ebenso Hoffnung herrscht. Doch weder erhoffte er sich etwas, noch war der Tag ungewiss. Denn wie jeden anderen Tag davor wachte er in seiner 2-Zimmerwohnung alleine auf, aß seinen Toast mit einem leichten Butterbestrich, und trank den Discount-Kaffee, der weniger des Geschmacks wegen die Kehle hinuntergespült wurde, sondern viel mehr wegen der hoch aufputschenden Wirkung. Manchmal fragte er sich, warum ausgerechnet er in dieser Krise lebte. Mit einem ansehnlichen Realschulabschluss von 1,9 und einer Ausbildung in Betriebswirtschaftslehre, müsste er es doch eigentlich zu einem etwas höheren Lebensstandard geschafft haben. Aber was nützt es schon? Es gibt nun mal keine Stellen. Doch was kann er dafür? Als er sein Taxi erwarb, warf dieser Beruf in seinen Augen noch genug ab und davon wenigstens halbwegs anständig zu leben. Und heute traut er sich nicht einmal in ein geschätztes Modegeschäft zu gehen, da die Preise für ihn unerschwinglich sind. Er stand an der Tür, genoss den letzten Augenblick Ruhe, bevor er wieder in den heiklen Straßenverkehr eintauchte und die Hektik in seinem Kopf überhand nahm. Als er in seine alten, abgelaufenen Schuhe schlüpfte bemerkte er zum 100. Mal wie er lebte. Er trug Schuhe die einem Obdachlosen sehr gut stehen würden, lebte in einer Wohnung eines Hartz 4 Empfängers, ohne zu wissen warum. Er führte schließlich ein ehrliches, aufrichtiges Leben. Aber wofür? Für solche Schuhe?
Sein erster Fahrgast an diesem Tag war ein fein herausgeputzter Mann, der kaum Anstand besaß, da er Peter fast nicht beachtete – er behandelte ihn mehr wie ein Objekt, einen Fahrautomaten – und bis zu diesem Zeitpunkt ständig in sein Telefon sprach und etwas von ,,… Ratten in China engagieren …“ und ,,… den Müll hier verkaufen …“ bellte. Kein sehr angenehmer Zeitgenosse, dachte sich der Fahrer und beförderte ihn zu seinem Ziel.
Der nächste ,,Gast“ sah kaum wie einer aus. Peter musste erst zweimal hinschauen, bis er erkannte, dass unter der Kapuze eine dunkle Sonnenbrille die Augen verdeckte. Merkwürdig war es auf jeden Fall, denn die Sonne schien durch die grauen Wolken bestimmt nicht so stark, als dass man eine Sonnenbrille benötigte. ,,Bitte in diese Gasse einbiegen“, bat der Mann und zeigte in die Richtung in der die Seitenstraße lag. Wenigstens bittet der hier, und verlangt nicht, wie der andere vorhin, musste sich Peter gestehen, obwohl ihm der Gast unheimlich war. Ein leises Schnippen war zu hören als er mit dem Wagen in der Gasse stand, fernab von den Augen der Mitmenschen. Plötzlich fühlte er kalten Stahl an seiner Kehle, der ihn seelisch bereits massakrierte. ,, Das Geld!“ schrie der Mann der hinter ihm saß, und nun nicht mehr so nett zu sein schien. Was sollte er machen?! Mit einem Messer an der Kehle und zwei Händen am Lenkrad, konnte er nicht anders als nach einer kurzen Denkpause eine Hand herunter zu nehmen und ihm seine 100, vielleicht 150 Euro zu geben, die er in seinem Geldbeutel – was im Nachhinein betrachtet ein Fehler zu sein schien – mit sich herumtrug. Schneller als Peter schauen konnte war der Räuber über den vor ihnen befindlichen Drahtzaun gesprungen und mit dem Geld geflüchtet.
Es schien doch kein Tag zu sein wie immer. Er war schlechter.
Als er schließlich zu Hause war, sich in seinen alten, eingesessenen Sessel setzte und die Zeitung aufschlug, musste er zu allem Überdruss feststellen, dass sogar Arbeitslose mehr Geld verdienten, als er.
Was sagt diese Geschichte aus? Wir sind dankbar für jeden Kommentar oder eine Interpretation.
2 Kommentare:
Ich finde diese Geschichte etwas demotiwierend. Da es immer heißt, und auch überall geschrieben steht, dass man gute Noten benötigt und auch dafür hart arbetien muss, damit man später etwas gutes aus seinem Leben machen kann. Doch dann wird einem so etwas vorgelegt, in dem das krasse Gegenteil steht.
Aber was sagt uns diese Geschichte...hmmm
Ich würde sagen, dass man nicht in seinem Trotz bleiben soll, sondern versuchen muss zu kämpfen. Dem Kampf, um ein besseres Leben, entgegen zu treten. Denn der Mann dieser Geschichte macht sich nur Gedanken darüber, wie schlecht es ihm doch geht, trotz seiner guten Bildung. Doch man sieht nichts davon, dass er etwas dagegen unternimmt.
Natürlich gibt es immer Menschen, welche dieses Pech haben. Aber trotz allem darf man nicht aufgeben und man muss für sein Wohlbefinden kämpfen.
Man muss immer bereit sein für eigene Überzeugungen und Ziele zu kämpfen, sprich sich einzusetzen.
Damit man besser gewappnet ist reicht manchmal auch eine entsprechende mentale Ausrichtung.
http://www.selbstschutztech.de/41965.html
Ist nicht verkehrt.
Diese Geschicht ist eine Geschichte des Alltags in Deutschland.
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