Wer bin ich und wieso bin ich? Wer philosophisch veranlagt ist wird sich mit einer solchen Fragestellung auseinandergesetzt haben, wenn auch nur unterbewusst. Leider gibt es nur noch wenige die sich mit der Frage beschäftigen, da die Konsumgesellschaft und das institutionelle Regime uns die Antwort vorschreibt. Allerdings ist jede kollektive Antwort, sprich die Vorgabe wer wir sind, was unsere Berufung ist, etc. in jedem Fall falsch!
Seit jeher sind Gesellschaftsforscher, bei dem Versuch den Menschen zu kategorisieren gescheitert. Das Resultat ist unausweichlich Revolution, da eine kategorisierte Gesellschaft als oberstes Gut weder Freiheit noch Moral beinhalten muss, sondern lediglich einem autoritären Zwang zu folgen hat, um zu funktionieren. Der sich wiederrum in Form eines Gesetzes darstellt, das versucht die Kontrolle des einzelnen, in Bezug auf das Gemeinwohl, aufrecht zu erhalten. Man muss jedoch bedenken, dass ein Gesetz kein Problem löst, sondern einzig und allein versucht die Symptome zu behandeln. Wenn Jugendliche sich betrinken, asozial verhalten und so die Gewaltdelikte steigen, verbietet der Staat den Alkohol, anstatt durch soziale Einrichtungen versucht die Wurzel der Gewalt einzudämmen. Der Mensch ist allerdings ein Wesen, das bedingungslos nach seiner individuellen Freiheit strebt, was Kant in der “Grundlegung der Metaphysik der Sitten“ vorgibt, was bedeutet:
wenn jedes kollektive Gesetz die Freiheit des einzelnen einschränkt und jedes Individuum nach Freiheit strebt, steht der Staat in Kontrast zum Bürger. Es muss also ein Gleichgewicht herrschen, das dem Bürger die individuelle Sicherheit der Rechte garantiert und gleichzeitig die Freiheit aufrecht erhält. Alles andere verläuft sich in Chaos. Für Menschen, die rational und autonom ihr Geschehen kritisieren und Teilnahme über ihr Schicksal verlangen, basieren auf ethischen Grundwerten, ist das ganze System der Institutionellen Kontrolle von Vorteil, da nicht nur die Institution uns kontrolliert, sondern vor allem wir die Institution. Jedoch sind wir durch unser abgestumpftes verhalten, aufgrund von sozialen Missständen psychischer und physischer Natur, dermaßen blind und heteronom, dass alles was uns als Autorität gegenübersteht, für uns zu einem Manifest der metaphysischen Gesetze wird.
Was darf uns kontrollieren? – nur etwas über das wir die Kontrolle haben!
Der Staat ist nicht die einzige Institution die Macht über uns auswirkt. Wer hat schon einmal genauer über die Schule nachgedacht? Wieso wir teilnehmen und vor allem an was wir teilnehmen?
Die schulische Bildung ist gleichzusetzen mit einer Ausbildung der geistigen Fähigkeiten, die allerdings aufgrund von relativen Idealen entartet ist.
Bildung ist späteres Einkommen. Richtig? Wir kennen genug Fälle, die das einstimmig wiederlegen, denn nur zeitgemäße Bildung in den richtigen Kategorien (ich möchte hier auf Kurse verweisen die rein naturwissenschaftliche oder wirtschaftswissenschaftliche Relevanz aufweisen, da sie unabdingliche für die Industrie sind) ermöglicht ,,Reichtum“. Das wir die Kontrolle über unsere Bildung verloren haben steht außer Frage, da der Staat das für uns übernimmt und nur eine sozial privilegierte Schicht innerhalb von Privatschule ihren Bildungsweg bewusst und uneingeschränkt beeinflusst. Andernfalls ist es uns als Individuum fast nicht möglich unsere Bildung zu bestimmen. Jeder potenziell gewinnbringende Bildungsweg steht unter der Bedingung sich einer Autorität zu unterwerfen die auf kollektive Ausbildung abzielt. So wird schon in der Grundschule der Mensch auf sein Potential in ökonomisch profitablen Stellungen reduziert und selektiert. Das alles dient dem Zweck den Staat und die Gesellschaft wirtschaftlich aufrecht zu erhalten und vergisst dabei ethisches Pflichtbewusstsein. Das Skurrile ist allerdings, dass es keine Verschwörung oder Unterorganisation ist die uns so kontrolliert sondern alles vor unseren Augen abläuft, wir es nur nicht verstehen oder verstehen wollen. So wird in VBRW, BWL oder VWL komplett auf eine metaphysische Obrigkeit verzichtet und nur das Ideal eines Ökonomen verfolgt: maximaler Gewinn. Zugleich funktionieren die meisten Bildungseinrichtungen und Normen nur in Relativität. Das heißt: wir müssen vorgegebene Thematiken studieren, nicht weil sie einer Ausprägung relevanter Fähigkeiten helfen, sondern weil andere die gleichen Thematiken unter gleicher Bedingung studieren. Wir nehmen an einem Bildungswettbewerb teil, der oftmals keinen lukrativen Vorteil verspricht, ohne es zu merken.
Das ganze aus dem einen Grund, dass wir im kapitalistischen Konkurrenzkampf der sich Leben nennt bestehen sollen.
Verinnerlicht man so etwas ist man im ersten Moment schockiert oder verwundert. „Das bin nicht ich, der das macht“, sagt man sich. In Wirklichkeit existiert dieses Szenario nur, weil wir nach dem allgemeinen Ideal streben: Mehr ist besser.
Unsere Konsumsucht treibt uns in einen Zyklus aus dem es nur schwer ist auszubrechen, da man reflektiv handeln und manchmal einem Luxus entsagen müsste. Das alles ist durch die Wirtschaft und Politik so verstrickt, dass es nahezu unmöglich ist aus diesem Gesellschaftssystem auszubrechen. Sehr schön wird dieses Prinzip in den Filmen ,,Zeitgeist“ und ,,Zeitgeist – Addendum“ dargestellt.
Die letzte Frage ist nur, von wem eine Initiative ausgehen muss.
Sie muss von jedem einzelnen ausgehen! Wir können nicht länger zusehen und schlichtweg ,,ertragen“ was über unseren Köpfen stattfindet. Politik, Lobbyismus, Kapitalismus und andere Institutionen die Einfluss auf unser Leben nehmen müssen für uns transparent und kritisierbar sein. Denn durch Skrupel, falsche Ideale und selbstverschuldete Unmündigkeit wird alles was der Mensch für sich erarbeitet hat eine Farce. Wir sind seit unserer Geburt verpflichtet für Moral und Recht zu ,,kämpfen“, auch wenn es pazifistischer Natur ist. Jeder muss sich entscheiden ob er als heteronomes Wesen seinen Alltag unter kontraproduktiven Normen an sich vorbeiziehen lässt, oder sich für eine bessere Welt engagiert.
Wir müssen uns nur fragen, ob Autorität Wahrheit, oder Wahrheit Autorität ist.
1 Kommentare:
Richtig
Alles hinterfragen und prüfen, auch sich selbst. Vor allem sich selbst. Ist doch das Selbst nur die Summe der Erfahrungen? Oder doch mehr.
Bildung: Sie soll eigentlich den Menschen individuell fördern zu einem eigenständigen Wesen und nicht einer Persönlichkeit. Immerhin kommt dieses Wort aus dem Lateinischen "persona" und bedeutet Maske.
Konsumzombies wandeln durch unsere Städte und das Glück auf ihren Gesichtern lässt einen gefrieren.
Selbstflucht, Selbst- und Realitätsverleugnung als Lebensinhalt ist durchaus auch eine Realität.
Eine wahrhaftige Schule mit wahrhaftigen Lehrern hat eigentlich die Aufgabe dies zu verhindern.
Jedoch sind dies auch nur Institutionen und Werkzeuge einer Gewinn maximierenden Gruppe mit zweifelhaften Zielen.
Lesetipps: Philip K. Dick, Carlos Castaneda, Hyemeyohsts Storm.
Verweise: http://www.seelenkrieger.org/
Danke für deinen tollen Beitrag phil
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