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Die autonome soziale Dysfunktion mit endogener Indoktrinierung
Kurz: ASDEI (da diese Begrifflichkeit im folgenden Artikel häufiger verwendet wird, sowohl als Bezeichnung für sich selbst, als auch für Subjekte, ziehe ich es vor, mit einer abgekürzten Fassung weiter zu arbeiten)
Die aktive, persönlichkeitsverändernde Wirkung, eines uns fremden Subjekts, auf unsere Individualität.
Vorrede
Zunächst möchte ich einmal vormerken, dass ich weder den Menschen an sich, noch seine Attribute in egoistischem Bezug verurteile. Ich spreche ausschließlich von der Indoktrinierung anderer Menschen, Kulturen oder Berufungen.
Der Mode-Wahn und die andauernde Trendgeilheit eines jeden Menschen steht hier im Mittelpunkt. Wir streben einem Trugbild hinterher, dass für uns weder metaphysischen Sinn, noch Nutzen enthält.
1 – Übermittelung, Aufnahme, Verarbeitung
Medien – das einzige Mittel, mit dem man der heutigen Mode und Kultur folgen kann. In diesem Fall ist es jedoch egal ob Yellow-Press oder Infotainment anderer Natur, wir kommen nicht mehr um Tratsch und Klatsch-Nachrichten herum. Beispielsweise gibt es allein im Fernsehen mehr Sendezeit für Promis und deren neuesten Orgien oder Handtaschen-Hunde, als für Nachrichten, Kunst, Kultur oder sonstiges was Bestand hat.
Die zentrale Aussage dieses Abschnittes beschreibt unsere Abhängigkeit und die Abhängigkeit der Medien von unserem Konsum – dem ewigen verfolgen unserer geliebten Sternchen.
Ich will an dieser Stelle nicht einmal auf die Idee kommen zu fragen, wie viele Menschen dem Star-Wahn folgen. Das Ergebnis würde mich erschüttern. Doch wie schon oben bemerkt Ziele ich hier nicht auf eine kollektive, noch auf eine konsumentenbetreffende Banalität ab, sondern greife das Übel an der Quelle an: Wieso nehmen wir diese Nachrichten mit dermaßen immenser Gewichtung auf, und richten uns danach?
Selbstverständlich hat jedes Individuum ein Idol an dem es sich aufbaut, orientiert und das es bewundert. Doch lässt man seine eigenen Ideale aus den Augen und eifert nur noch dem Ziel nach, zu dieser Person oder deren Attributen zu gehören, steigert sich Eifer zu Wahn. Man lässt sich unbewusst so stark von dem absurden ,,Richtigen und Guten“* affizieren, dass die Scheinwelt in der man sich schließlich befindet wie ein Labyrinth scheint. Diese Scheinwelten sind, dank Medieneinfluss und Leichtgläubigkeit, ausschließlich auf einer bröckelnden Fassade aufgebaut.
Das beste Beispiel ist hier die Schlagzeile von Chris Brown, der seine Freundin durch physische Gewalt ins Krankenhaus brachte (ich entschuldige mich für den Begriff ,,Schlagzeile“ und schäme mich selbst ein wenig, dass ich darüber informiert bin). Wahrscheinlich niemand, insbesondere nicht seine Fans (hier möchte ich anmerken: Fan= Fanatiker, was wohl noch nie etwas Gutes war), ahnten, dass er zu etwas derartigen fähig ist. Eine Scheinwelt bricht zusammen. Hier muss sich das Individuum, oder ASDEI (hier wird der obige begriff für ein Subjekt verwendet, da ich den Menschen oder ,,Fan“ als vom Subjekt indoktriniert empfinde), entscheiden, ob es die Tatsachen totschweigen, oder sein eigenes Idol aufgeben soll. Letzteres würde bedeuten etwas abzubrechen, was ihn immer aufgebaut hat.
Im übertriebenen Sinne wäre es vergleichbar mit der Erkenntnis die falsche Religion gewählt zu haben.
*Die Begriffe ,,richtig“ und ,,gut“ lassen sich in verschiedene Illokutionäre Rollen Gliedern, auf die ich hier nicht ausführlich eingehen möchte, da die Begriffe aus der Perspektive des indoktrinierenden Faktors gesehen werden. Prinzipiell ist alles Richtige oder Gute in diesem Fall ein unbedingtes und nichtbedingte Gebot. Beziehen wir es auf einen deontischen Fall, so würde ein Gebot lauten: Du sollst gut aussehen/um jeden Preis. Kausalität und Einschränkungen werden nicht beachtet - das Gebot ist weder bedingt, noch unbeschränkt. Das ,,gut aussehen“ stellt daher für das Individuum einen kategorisch guten Wert dar.
2 – Indoktrinierung des Subjekts
Ohne dass die verschiedenen Parteien es beabsichtigen werden wir simultan von mehreren Fronten angegriffen. Medien sind das Mittel dieser Beeinflussung, doch es sind andere Faktoren, die Ausgangspunkte für eine Gehirnwäsche darstellen. Ich denke, es ist unnütz zu erwähnen das Geld und kommerzielles Engagement der Knotenpunkt allen Handelns in dieser Beziehung ist. Wieso sollten Persönlichkeiten wie Justin Timberlake oder Gwen Stefanie ein Modelabel ins Leben rufen, das unzählige Teenager heranlockt.
Gleichzeitig setzen die Idole der Menschen mit ihren Handlungen und der Anpreisung ihrer Eigenschaften einen Maßstab für alles Gute. Es ist weitestgehend nicht beabsichtigt und geschieht automatisch. Natürlich zieht es den Nutzen mit sich, dass mehr in dieses Interesse, seinem Idol ähnlich zu sein investiert wird.
Die Prägung des Einzelnen wird erheblich durch Gruppeneinfluss verstärkt. Denn wo sich ein Trend festsetzt gibt es immer eine Gruppe, die als erste diesem Trend folgt. Da der Mensch die nervige Eigenschaft hat, größtenteils von einer Gruppe abhängig zu sein, bzw. das ewige Bedürfnis nach Liebe, Anerkennung und Freundschaft hat, wird der Trend gleichzeitig Voraussetzung für Erfolg und Glück. Man könnte es Gruppenzwang nennen, doch ich will vorsichtig mit diesem Begriff umgehen, da er das erste ist, was man in den Raum wirft wenn sich ein Jugendlicher in irgendeiner Form anders verhält. Ich beschreibe es lieber als einen Drang oder Wunsch, von einer Gruppe bewundert zu werden, die in gewisser Hinsicht einen größeren Wert bei Menschen darstellt und daher auch großen Einfluss hat. Hier geht es nicht darum zur Gruppe zu gehören, sondern für die Gruppe etwas Bewundernswertes darzustellen. Etwas oder jemandem gefallen zu wollen, kann etwas anderes sein als wie etwas sein zu wollen. Andererseits will man in manchen Fällen wie etwas sein, um etwas oder jemandem zu gefallen, was für mich der eigentliche Gruppenzwang ist.Ein Bespiel hierfür wäre, wenn ein Mädchen, dass Techno hört, Jungs mag, die Rock hören, hört man Rock und nicht Techno. Man will gemocht werden und nicht dazugehören.
Eine andere, etwas kompliziertere Theorie ist die, der absurden Kausalität. Sie setzt voraus, dass jedes Individuum in einer Beziehung, wenn sie auch noch so banal ist, konform sein muss. Das heißt: Nonkonformismus ist ausgeschlossen. Ein Individuum wird allein durch eine allgemeine, bewundernswerte Einstellung indoktriniert. Bsp. ,,Mir ist egal was andere denken“. Diese Meinung basiert in besagter Theorie auf dem allgemeinen Wert der Unabhängigkeit und des Selbstdenkens. In dieser Form wäre der angestrebte Nonkonformismus ein Resultat aus Konformismus. Deontisch lässt sich die Theorie analysieren mit der Formel ,,Sollen impliziert Können“, wonach der Nonkonformismus allein möglich wurde durch heteronome Werte.
So ist das Gebot
,,Du sollst selbstdenken!“
Paradox, da das Gebot nicht autonomer Natur ist.
Meiner Meinung nach ist die Voraussetzung für Nonkonformismus eine totale Unabhängigkeit von Zuneigung und dem Willen, heuristisches Wissen zu erstreben.
3 – Auswirkung/Expression
Das indoktrinierte Individuum ist sich dieser Tatsache natürlich nicht bewusst, andernfalls wäre eine Beeinflussung gänzlich absurd, da ein Mensch sich niemals gerne dermaßen Beeinflussen lassen möchte, dass eine Persönlichkeitsveränderung bemerkbar wird. Langsam entwickeln sich Stolz und Idealismus in Bezug auf den Trend den man verfolgt und sein Eigen nennt. Umso schwerer wird es zu akzeptieren, dass man nur ein winziger Teil des Ganzen ist und genauer gesehen eigentlich trivial ist. Was unternimmt man also, um zu verhindern, dass alles woran man sich aufbauen kann in die Brüche geht? Man sucht sich Mitstreiter. Versucht dass woran man sich festhält, beständiger und legitimer zu machen. Jeder Zuspruch wird zu einem weiteren Erfolgserlebnis und stärk das Selbstbewusstsein. So finden sich Freunde und Feinde, und im schlimmsten Fall wird man etwas, dass man nie sein wollte.
Die eigentliche Auswirkung ist aber, dass der Trend eine Bedingung für ein soziales Umfeld ist, und nicht mehr ein Umfeld Bedingung für einen Trend. An diesem Punkt versucht man andere zu indoktrinieren, nur um die Richtigkeit der Handlung und den Sinn der Trendverfolgung zu bestätigen oder zu legitimieren.
Wer entsprechenden Wellen nicht folgt ist mehr oder weniger ein Außenseiter – nicht unbedingt aber in den meisten der Fälle. Somit wird Konformismus eine Voraussetzung für ein soziales Umfeld und Anerkennung.
Das beste Beispiel für diese ganze Indoktrinierung sind Shows wie ,,Germanys next Topmodel“, ,,Kaders Girldcamp“ und unzählige andere.