Samstag, 9. Januar 2010

Der Psychiater

Kurzprosa von Philipp Schwenker

Ich hatte einen neuen Patienten. Seit einigen Wochen ist Markus C. mit Depressionen im Anfangsstadium zu mir gekommen. Hauptsächlich exogener Natur. Er war stämmig gebaut, fein gekleidet, meist mit Hut und Krawatte, wobei Ich mich immer fragte wieso, da er sowie so nur auf meiner Couch Platz nahm um seinen Problemen Luft zu machen. Es schien mir schon ein wenig frech, als er einmal behauptete, meine Couch sei unbequem, wo er doch in seinem Sakko dalag.
Er erzählte immer von seinem Beruf und seinem geschäftlichen Umfeld, was soweit ich es mir vorstellen kann, der Auslöser seiner Depression war. Er war in seiner Firma ziemlich hoch angestellt und gerade in diesen Tagen muss es sehr schwer gewesen sein, da die Wirtschaft wie sie wissen immer schwankt und von einem auf den anderen Tag neue Arbeitslosigkeit schafft. Er war zwar nicht direkt betroffen, allerdings hatte er erwähnt, dass er seinen zweiten Porsche versetzten musste, da ihm die Spritpreise zu hoch waren. Dass machte ihn teilweise ziemlich fertig, weil es eines seiner Lieblingsautos war. Er erzählte auch oft von seinen Spritztouren die ihm den Alltag etwas leichter machten. Was ich allerdings etwas übertrieben fand, waren seine Beschwerden über die steigenden Milchpreise, wo er doch so viel verdiente. Aber irgendwie verstehe ich es, da er auch von der Firma aus auf einen Teil seines Gehalts verzichten musste. Sie wissen ja wie die Managergehälter derzeit sinken. Das machte ihm ziemlich zu schaffen.
Er berichtete auch von seiner geschäftlichen Belastung. Viele Stellen wurden gestrichen und er war schließlich der, der es den unteren Angestellten beibringen musste. Scheinbar empfand er das teilweise als Mobbing, obwohl es sein Job war.
Er hatte schon einige Probleme aber dass er sich das Leben nimmt hätte ich nicht vermutet.
Aber bitte verschweigen sie seine Steuerhinterziehung wenn Sie den Artikel für ihr Wirtschaftsblatt schreiben.

1 Kommentare:

50.sommer hat gesagt…

Hallo phil,
nette prosa, gefällt mir